Wenn Alt und Jung am Logo rütteln – was tun?

Wie Markenidentität in Familienunternehmen gelingt

„Also das Logo bleibt! Das war schon immer so, unsere Kunden erkennen uns sonst nicht wieder.“
Stille am großen Esstisch. Der Vater schaut ernst, die Tochter seufzt, die Geschwister sehen sich fragend an. Eigentlich ging es in der Familienrat-Sitzung um die Zukunft der Marke – neue Märkte, neue Zielgruppen, neue Ansprache. Doch plötzlich steckt die Diskussion fest an einer scheinbar kleinen Frage: Soll das Logo überhaupt modernisiert werden?

Wer in einem familiengefĂĽhrten Unternehmen arbeitet, kennt solche Momente. Es geht nicht nur um Design. Es geht um Emotionen, um Besitz, um Geschichten, die ĂĽber Generationen weitergetragen wurden.

Die Ausgangssituation:

Typische Konstellationen

Solche Spannungen begegnen uns immer wieder:

  • Eltern-Kind-Duo: Der Senior verteidigt das gewachsene Erscheinungsbild, die junge Generation möchte ein Update fĂĽr die Zukunft.

  • Senior- und Junior-Chef: Unterschiedliche FĂĽhrungsstile spiegeln sich auch in unterschiedlichen Designvorstellungen.

  • Geschwister-Teams: Während der eine bewahren will, setzt der andere auf mutige Modernisierung.

Diese Konstellationen sind keine Einzelfälle – sie sind der Normalfall. Und gerade deshalb so wertvoll, weil sie die Vielfalt an Perspektiven sichtbar machen.

Emotionaler Besitz

Ein Logo ist selten nur ein Logo. FĂĽr viele ist es ein Symbol ihrer Lebensleistung.

  • Die Farben stehen fĂĽr den Anfang: fĂĽr die Werkstatt, das erste Geschäft, das erste Erfolgserlebnis.

  • Der Name ist nicht einfach ein Markenname, sondern der Familienname.

  • Jede Form, jede Linie kann eine Geschichte erzählen, die nicht in den EntwĂĽrfen der Designer, sondern in den Herzen der GrĂĽnder geschrieben wurde.

Tradition vs. Moderne

Was für die eine Generation „überholt“ aussieht, ist für die andere „Identität“.
Und beide Seiten haben Recht: Marken brauchen die Kraft ihrer Geschichte und gleichzeitig die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln. Wer nur bewahrt, verliert den Anschluss. Wer nur verändert, verliert die Wurzeln.

Der gemeinsame Weg:

Kommunikation ist der SchlĂĽssel

Der größte Fehler entsteht, wenn Entscheidungen „über Köpfe hinweg“ getroffen werden. Wer alle mitnehmen möchte, braucht Strukturen für echten Dialog:

  • Workshops statt Einzelgespräche: So entstehen gemeinsame Bilder von Zukunft und Identität.

  • Visualisierungen nutzen: Skizzen, Moodboards oder Prototypen helfen, abstrakte Ideen greifbar zu machen.

  • Aktiv zuhören: Manchmal steckt hinter einem „Nein“ kein Widerstand, sondern eine Sorge, die ernst genommen werden will.

Wie man alle mitnimmt

Damit dieser Spagat gelingt, braucht es mehr als gutes Design. Es braucht gutes Miteinander:

  • Rollen klar definieren: Wer darf entscheiden, wer bringt Input?

  • Offen ĂĽber GefĂĽhle sprechen: Akzeptieren, dass es nicht nur um Optik, sondern um Werte geht.

  • Moderation einsetzen: Externe Begleitung schafft Raum, in dem jeder gehört wird.

  • In Schritten denken: Evolution statt Revolution sorgt oft fĂĽr Akzeptanz.

Die Chance ergreifen:

So herausfordernd die Diskussionen sind: Sie bieten auch eine groĂźe Chance. Denn wo Tradition und Moderne aufeinandertreffen, entsteht oft das Beste aus beiden Welten.

  • Die ältere Generation bringt Tiefe, Authentizität und Erfahrung.

  • Die jĂĽngere Generation bringt Dynamik, Digitalität und ein GespĂĽr fĂĽr neue Märkte.

    Wenn es gelingt, beides zu verbinden, entsteht eine Marke, die glaubwĂĽrdig und gleichzeitig zukunftsorientiert ist.

Fazit – Design ist mehr als das Auge wahrnimmt

Wir haben erlebt, wie sich Kunden über Tage um die Farbe Grün gestritten haben, bis klar wurde, dass sie für den einen „die Tradition“ und für die andere „den Stillstand“ symbolisierte. Am Ende fanden beide in einer neuen Nuance einen Kompromiss: nah an der Herkunft, aber frisch genug für die Zukunft.

Design in Familienunternehmen ist selten eine Frage des guten Geschmacks. Es ist eine Frage von Identität, Zugehörigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Designprozesse hier so herausfordernd und besonders sind. Denn am Ende geht es nicht um Farben und Logos, sondern darum, Menschen auf eine gemeinsame Reise mitzunehmen.


Dein Werkzeug – 3 Fragen für Familienunternehmen

Wer vor einer ähnlichen Situation steht, kann sich gemeinsam im Familienrat folgende Fragen stellen:

  1. Welche Elemente unserer Marke sind für uns unverzichtbar – und warum?

  2. Wo sehen wir uns in 10 Jahren und passt unsere Marke dazu?

  3. Welche Geschichte wollen wir mit unserem Design heute erzählen?

Diese Fragen öffnen den Blick: weg vom Logo als „heiliges Objekt“, hin zum Design als lebendigen Spiegel der Unternehmenskultur.


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